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Beate Thill – Paris-Blog – Franco Allemand

 

 

Juni 2018  Lesereise mit Dany Laferrière

Termine:

Freitag, 8. Juni 20 Uhr Berlin Institut Français

Montag, 11.Juni 19:30 Köln Literaturhaus

vorgestellt wird der Roman

Die Kunst einen Schwarzen zu lieben ohne zu ermüden
(Verlag Das Wunderhorn Heidelberg 2017)

Dany Laferrière wuchs in Haiti auf und arbeitete dort als Journalist, musste aber 1976 unter der Diktatur der Duvaliers ins Exil nach Quebec fliehen. Nachdem er sich in Kanada acht Jahre lang als Hilfsarbeiter durchgeschlagen hatte, brachte ihn sein erster Roman, „von der Fabrik ins Fernsehen“, wie er selbst sagt. Es war dieses Buch, im Jahr 1985, es ist im Herbst 2017 also mit über 30 jähriger Verspätung auf Deutsch erschienen.

Die deutsche Übersetzung wurde bei ihrem Erscheinen von der deutschen Kritik begeistert aufgenommen. Es geht um die Liebe zwischen den Rassen, genauer zwischen der Weißen und dem Schwarzen, und zwar nicht nur auf der sexuellen Ebene, sondern in allen Bereichen der Beziehung, wo die gängigen Stereotypen wirksam werden. Mit der unverkrampften und witzigen Art, wie dieses Thema dargestellt wird, scheint das Buch in Deutschland einen Nerv zu treffen, da wichtige Fragen behandelt werden, und zwar ohne die übliche Sorge um politische Korrektheit und Moralhygiene.

Zwei arbeitslose Schwarze hausen zusammen in einer heruntergekommenen Einzimmerwohnung in einem Armeleuteviertel von Montreal, der eine liegt auf der Couch, hört den ganzen Tag Jazz, liest im Koran und zitiert Freud, der andere ist viel unterwegs, und er schreibt gerade seinen ersten Roman – eben das Buch, das wir lesen. Die beiden philosophieren über Liebe und haben wechselnde Erfahrungen mit den weißen Studentinnen einer angesehenen Universität, die sie je nach ihren hervorstechenden Eigenschaften mit „Miz“ bezeichnen, so gibt es zum Beispiel eine Miz Literatur und eine Miz Snob.

Der Roman hat eine bestechende, strenge Form, zugleich zeigt er die vielen Facetten der zeitgenössischen Kultur der Schwarzen in Amerika, wie den Jazz und die Zugehörigkeit zum Islam, auf der anderen Seite kommt er mit einer klaren Sprache und viel Witz sehr locker daher. Der Autor spricht in einer Kritikerparodie am Schluss treffend: „von einem Filter der Klarheit, durch den Gewalt und sehr krude Erotik geläutert werden.“

Dany Laferrière hat seit dem Erscheinen seines Erstlings über 30 weitere Romane geschrieben, einige wurden verfilmt, wie Im Süden nach seinem Drehbuch und mit Charlotte Rampling in einer Hauptrolle, dort geht es um Sextourismus weißer Frauen in Haiti.
Der Autor ist wegen der lockeren, humorvollen und charmanten Art, in der er seine Texte präsentiert und kommentiert, in Frankreich ein Liebling der Medien, seine Bücher verkaufen sich sehr gut und die Besucher strömen massenhaft in seine Lesungen.

2015 wurde er als erster Haitianer und als erster Kanadier (Quebecer) Mitglied der Académie Fraçaise, einer ehrwürdigen französischen Institution, die unter der Monarchie den Intellektuellen ein Rederecht einräumte. Er ist nicht der erste Schwarze, denn vor ihm gehörte der Senegalese Léopold Sédar Senghor (1903- 2001) zu den „Unsterblichen“.

Seit 2013 publiziert der Wunderhorn-Verlag das Werk von Laferrière auf Deutsch, alle in der Übersetzung von Beate Thill. 2014 wurde der Roman Das Rätsel der Rückkehr mit dem Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin ausgezeichnet. Inzwischen sind noch Tagebuch eines Schriftstellers im Pyjama und Rivarol: Über die Universalität der französischen Sprache mit seinem Vorwort erschienen – neben dem Romanerstling, der seinen Autor sofort im französischsprachigen Raum bekannt gemacht hatte.

 

 

 

FRERES MIGRANTS                    Patrick Chamoiseau

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