Le café de Dora Maar

Paris, 27.06.2019  In den Pariser Cafés sind Missverständnisse in der englischen Sprache recht häufig. Gestern war ich in der Cafeteria des Centre Pompidou, ich gehe dort gerne hin, auch wenn es ein bisschen teuer ist, es lohnt sich wegen der Leute. Ein Trio Amerikaner, Sechzig – oder vielleicht eher Achtzig-jährige waren vor mir an der Theke, sympathisch und gebildet. Der Herr vor mir hatte einen „Grapefruit-Juice“ bestellt. Die junge Bedienung hält ihm ganz selbstverständlich eine kleine Flasche Traubensaft hin. Auch als er protestiert, ist sie sich ihrer Sache sehr sicher und zeigt die hübschen „grapes“ auf dem Etikett – weder dem Trio noch mir war je diese sprachliche Falle aufgefallen. Ich gehe gerne hin wegen des Milieus, das dort verkehrt,…

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Euro-Elsassien/Euro-Alsacie

Paris, 26.06.2019  Sie heißt „Collecitivité européenne d´Alsace“, schon als Wortungetüm ein Fremdkörper, in etwa „Europäisches Kollektiv Elsass“, eine administrative Sondervereinbarung für die bisherigen Departements des Ober- und Unter-Elsass, die bereits mit Lothringen in der Region „Grand-Est“ zusammengeschlossen sind. (Le Monde vom 26.6.19) In einer Karikatur werden als Alternativ-Vorschläge „Über-Vogesen 2000“, „Transrhine-Valley“ oder „Euro-Elsassien“ genannt. Aus dem Artikel in Le Monde wird deutlich, dass manche regionalen Kräfte und Parteien sich mehr Eigenständigkeit gegenüber der Zentralregierung in Paris gewünscht hätten. Bei dem Gesetzesvorschlag, der seit Montag im Parlament beraten wird, handelt es sich also um einen Kompromiss. Immerhin wird den Elsässern darin zugestanden, „grenzüberschreitend mit Deutschland und der Schweiz zu kooperieren“, und dies unabhängig auszuhandeln. Offenbar wird der Wunsch Emmanuel Macrons nach…

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Die Blauen Frauen /Les Bleues

Paris, 25.06.2109  In Frankreich findet im Moment nicht nur die Fußballweltmeisterschaft der Frauen statt – die Franzosen fiebern auch heiß mit ihrem Team. Dieser Bericht soll nicht nur Tatsachen beschreiben, die in Deutschland weniger Beachtung finden, sondern ein Licht auf die Berichterstattung werfen – wie immer anhand von Le Monde. Unvorstellbar, 11 Millionen französische Fernsehzuschauer sahen das Eröffnungsspiel und haben sich offenbar sofort in die Bleues verliebt (statt „Bleus“ für die Männer, man beachte das zusätzliche „e“). Mit der Begeisterung im Rücken setzen sie sich durch, sie spielen weiter in erstaunlicher Form, angefeuert vom Publikum landesweit – es ist ihre WM. Sie gewinnen auch gegen oberstarke Gegnerinnen wie Brasilien und erreichen das Viertelfinale gegen die USA am 28.6. Die französische…

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Wie steht es mit Notre Dame? / Et Notre Dame?

Paris, 14.05.2019  Tief getroffen von dem Unglück, hatte ich die Umgebung von Notre Dame bisher gemieden. Ich machte mir nur ein Bild, wenn ich die Rue Beaubourg entlangkam, wo man einen guten Blick auf das gesamte Dach der Kathedrale hat. Gestern war ich überrascht, dass die große weiße Plane über dem Loch in der Mitte fehlte und wieder ein Gerüst aufragte, fast wie vor dem Brand – nur ohne den spitzen Turm. Im Internet fand ich dann die Nachricht, dass die Arbeiten zum Schutz des Dachs bereits seit dem 26. April abgeschlossen sind, „dank der perfekten Koordination zwischen den verschiedenen Dienstleistern und Partnern, die zu den Arbeiten mobilisiert worden waren.“(Sputnik) Dies hat mich in meiner Hoffnung bestärkt, nun doch in…

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Le modèle noir

Paris, 12.05.2019  Das schwarze Modell, die aktuelle Ausstellung im Musée d´Orsay (bis 21.Juli), lässt sich anhand der verschiedenen Bedeutungen des Wortes Modell verstehen. Zunächst ist es die reale Figur, die Modell steht, das „Sujet“ oder „Subjekt“, das man auf dem Bild dargestellt sieht. Ist es eine Person „schwarzer Hautfarbe“, wird das Subjekt ambivalent. Das Modell steht auch für ein Vorbild, hier repräsentiert die Figur mit der schwarzen Haut den Anderen, mehr ein Zeichen, ein Symbol, als ein menschliches Wesen. Mit der französischen Kolonisierung Afrikas fand dieser Andere häufiger Eingang in die Malerei der Künstler, die alljährlich in Paris im Herbstsalon ausstellten. Auch umgab ihn zunächst die Aura des Exotismus und Orientalismus mit ihren klischierten Details, dazu angetan, die rassistische und…

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Ein Maler unserer Zeit /Peintre de notre temps

  Paris, 20.03.2019  Brian Maguire, Maler, geboren 1951 in Irland, „ist auf dieser Insel weit vor der Küste Europas aufgewachsen“, wie er es ausdrückt. Ich traf ihn am 17. März für ein (längeres) Interview anlässlich seiner Londoner Ausstellung, von dem ich hier einige Passagen zitieren will. Nachdem er anfangs das Ziel einer „sozialistischen Kunst“ verfolgte, meint er heute „nicht viel mehr zu verstehen außer seiner eigenen Existenz.“ Dabei kritisiert er die Konsumgesellschaft und „eine Kultur unter der Hegemonie ihrer Werte. Der Konsumismus braucht die Demokratie nicht.“ BT: Sie versuchen sich also als Künstler gegen alldies zu positionieren, ausgehend von Ihrer eigenen Existenz? BM: Wissen Sie, wie findet man heraus, was man tun kann? … Im Moment fokussiere ich mich auf…

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Demos in Paris / Manifs à Paris

Paris, 17.03.2019  Heute morgen hören wir von Ausschreitungen in der Nähe der Champs Elysées, von Gewalt und Brandstiftung am Rande weiterer Demos von Gelbwesten. Es sind gestern aber auch 45000 Bürger aus allen Landesteilen für eine nachhaltige Klimapolitik durch die Straßen gezogen. Sie haben sich den Schülern angeschlossen, die am Freitag zu über 100000 demonstriert hatten. Hier ein Foto …

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Antoine Emaz

Paris, 16.03.2019   Antoine Emaz, Poète Français, né en 1955 à Paris, décédé le 3 mars 2019, à Angers; Französischer Dichter, geboren 1955 in Paris, gestorben 3.3.2019 in Angers. (Traduction Beate Thill) Limite: 13.10.2013 un peu comme au bord d´une falaise et la mer en face une langue primaire une confusion de vagues lentes sans phrases l´écume écrit quoi on peut rester là lire hors sens blanc sur bleu tant que les yeux voir sans fin se briser les mots les vagues rendre leur air en souffle pour personne mais un tel grand calme. Antoine Emaz Limite: 13.10.2013 ein wenig wie am Rand einer Klippe mit dem Meer im Blick eine Ursprache ein Durcheinander langer Wellen ohne Satz die Gischt…

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Im 5. Bezirk /De passage dans le 5ème

Paris, 15.03.2019  Eine Metropole wie Paris sollte man von verschiedenen Seiten betrachten – der Zufall hat mich in den 5. Stadtbezirk versetzt, in die Gegend der Place Monge. Es ist anders als im 19. Gestern war eine Menge chinesischer Touristen in einer Apotheke in der Nähe des Platzes, sie standen auf dem Gehweg Schlange. Hauptsächlich, vielleicht sogar ausschließlich Männer, und bei genauerem Hinsehen standen sie vor der schmalen Boutique der Apotheke, wo es die Kosmetika gibt. Jeder von ihnen, der den Laden verließ, hatte seine mit den kleinen Schachteln gut gefüllte Plastiktüte. Ein weiterer Unterschied, außer den Touristen in der Rue Mouffetard und eigentlich überall in dem Viertel, ist – der Stil. Hier ist sozusagen alles Stil, die Geranientöpfe vor…

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Alfortville

Paris, 15.01.2019 Je veux vous raconter                                        Dies ist ein Bericht ma soirée de hier.                                            wie mein gestriger Abend verlief. J´étais à Alfortville par le metro 8      Mit der Metro 8 fuhr ich nach Alfort mais allant au salon-théâtre                            auf dem Weg zum Salon-Theater j´ai confondu                                                       verwechselte ich Ave du Général de Gaulle avec                   Avenue du Général de Gaulle mit Rue Charles de Gaulle                                        Rue Charles de Gaulle. et j´ai longé, dans le noir, à pied                    Zu Fuß und im Dunkeln kam ich tous ces bâtiment militaires              an einer Reihe Militärgebäuden entlang, intéressants mais qui ne menaient                   die interessant aussahen, pas au but.                                                           aber nicht ans Ziel. Complètement paumée                                     Ohne eine Ahnung, wo ich bin…

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