Convention citoyenne / Bürgerkonvent

Paris, 18.02.2020  Als erste (und einzige?) Reaktion auf die Proteste der Gelbwesten hatte Präsident Macron eine „Große Nationale Debatte“ einberufen und sich persönlich in alle Landesteile Frankreichs begeben, um mit Versammlungen auf kommunaler Ebene eine lange Liste von Themen zu beraten. (s. dazu auch meinen Blog vom September 2019). Nach Meinung seiner Kritiker in der Bevölkerung sind dabei nur „mesurettes – Maßnähmchen“ herausgekommen – das war im Sommer 2019. Danach wurde der Bürgerkonvent eingerichtet, als neuer Anlauf in dem Versuch, eine Politik mit mehr Bürgernähe zu machen. Macron folgt damit weiter seiner Idee von der „Republik in Bewegung“, mit der er im Jahr 2017 immerhin die Wahl gewonnen hat. Inzwischen steht er allerdings im Verdacht, ein Jupiter zu sein, der…

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Autour de la Porte Dorée

Paris, 16.02.2020 Le nageur, de Diadji Diop   la Méditerrannée. Im Palais de la Porte Dorée, dem ehemaligen Kolonialministerium, ist heute das Museum der Migration.

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Les taxis

Paris, 16.12.2019  On pourrait penser que la grève des transports serait le bonheur des taxis. Surtout que les bus ne circulent encore moins. Jeudi, il faisait très froid et les gens patientaient lugubres aux arrêts, en masses compactes, dans la pluie glacée. Un chauffeur de taxi m´a expliqué: „Non, au contraire! Je travaille beaucoup moins maintenant que normalement, à cause des gigantesques bouchons. Hier soir j´ai mis trois heures pour rentrer chez moi depuis Boulogne!“ C´est l´infarctus. Les gens se saluent dans les superettes, dans les cafés et sûrement aussi dans les bureaux: „Ça roule pas!“ Mais il peut être très beau, même si le traffic roule à peine, d´être assis le soir dans un taxi qui circule dans un…

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Dans le train 5 / Im Zug 5

Paris, 13.01.2020  Es ist wie im Frühling, sehr mild. Auf dem Bahnsteig in Karlsruhe herrscht eine gewisse Anspannung, wegen des Streiks in Paris, unserem Zielort. Der Zug war abgesetzt … dann durch einen anderen TGV ersetzt worden, glücklicherweise. Der junge Mann macht sportlich einen kleinen Sprung, um mir den Durchgang zu meinem Platz am Fenster freizugeben. Er ist höflich und lacht viel. Das Wetter ist schön, die Stimmung heiter, die Leute sind froh, dass der Zug fährt, bis ein etwa dreißigjähriger leicht beschwipster Mann den Teil des Waggons betritt. Er ist allein, hat offenbar Schwierigkeiten, die Nummer seines Platzes zu finden. Er redet leise mit sich selbst, lässt sich zuerst hier, dann dort nieder, geht wieder. Als er zurückkommt, hat…

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Wohnen in Paris

Paris, 17.01.2020  Es soll hier einmal nicht um die derzeitigen Streiks und Behinderungen in der französischen Kapitale gehen, die derzeit den Einwohnern das Leben verkomplizieren. Die Wohnlage innerhalb der Ringautobahn, im eigentlichen Zentrum von Paris, ist so teuer geworden, dass die Stadt Einwohner verliert. Von 2012 bis 2017 waren es durchschnittlich 10620 pro Jahr. Es erübrigt sich zu betonen, dass eine Bevölkerung aus allen sozialen und Altersschichten notwendig ist, um eine Stadt am Leben zu erhalten. Leute, die anderen nur beim Leben zusehen, tragen nicht dazu bei … Das ruft die Oberbürgermeisterin Anne Hidalgo auf den Plan, die sich in einem  Wahlkampf befindet, der ebenfalls recht kompliziert ist. Vor ihrer Amtszeit hatte sie versprochen, die Mietpreise bezahlbarer und einiges in…

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Louis-Philippe

Paris, 15.01.2020  In Deutschland ist man höchst erstaunt, dass sich nach vier Wochen immer noch ein großer Teil der französischen Gesellschaft gegenüber der Streikbewegung solidarisch zeigt, obwohl alle einer alltäglichen Zwangslage ausgesetzt werden, die in den Augen meiner Landsleute unerträglich erscheint. In der Süddeutschen Zeitung hat Joseph Haniman (7.1.2020) sich über die Irrationalität der Proteste gewundert, die sich auf Präsident Macron fokussieren. Haniman sieht das Problem in der „inklusiven Rhetorik“ Macrons während des Wahlkampfs, die Projektionen auf seine Person gezogen haben, die inzwischen enttäuscht wurden. Er führt dabei eine Reihe von kürzlich in Frankreich erschienenen Analysen an, die häufig gewagte historische Parallelen mit anderen französischen Staatslenkern ziehen, u.a. mit dem „Bürgerkönig“ Louis-Philippe (Christophe Barbier). Persönlich halte ich nicht viel von…

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Rede von Alain Finkielkraut /Un discours

Paris, 17.12.2019 Nachtrag  Finkielkraut ist ein „enfant terrible“ unter den französischen Schriftstellern, in unseren Zeiten ist das eine Marke, die sich gut verkauft. Zugleich ist er Mitglied der Académie Française, was man nur auf eigenen Antrag wird … Er hat bei der Öffentlichen Sitzung der Akademie im Dezember die „Rede über die Tugend“ gehalten, welche zu den Ritualen dieser festlichen und zugleich gastlichen Veranstaltung gehört, bei der auch alljährlich die zahlreichen Preise der Akademie verliehen werden (der Wortlaut ist auf der Website nachzulesen academie-francaise.fr/discours-sur-la-vertu-2019)   Finkielkraut beginnt mit einer rhetorischen Figur, die gerade kein Wohlwollen erheischt, er bezeichnet seine Aufgabe als „ein Stück künstlicher Eloquenz“ und den Begriff der Tugend als veraltet und sogar „spießig“. Er wehrt sich gegen jeden…

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Zu Fuß|/ Paris à pied

Paris, 14.12.2019  Der Streik und der Verkehr steht. Zufällig bin ich ein paar Tage im 9. Bezirk, statt dem 19., das ist zentraler – die Zentralität rechnet sich jetzt nach den Schritten zu Fuß bis zu den wichtigsten Zielen in der Stadt. Auch die Taxis haben sicher großen „Andrang“, wie das Verkehrsunternehmen RATP auf ihrer Webseite warnt, anders ausgedrückt: „Bleibt zu Hause!“ Im deutschen Radio hörte ich, die Pariser hätten die Fahrradläden gestürmt für ein Bike zur Arbeit statt der Metro. Doch ich sehe, die Pariser gehen hauptsächlich zur Fuß. Glücklich, wer einen der raren Busse erwischt, auch wenn sie oft nur einen Teil ihrer gewohnten Strecke bedienen. So ging es mir an der Avenue Jaurès mit dem Bus Nr…

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Sprache und Sprechen/ Langue et langage

Paris, 25.09.2019  … auf der Theaterbühne. Es ist das große Thema von Valère Novarina, Schriftsteller, Philosoph, Dramatiker, der im Moment am Theater de La Colline sein Stück L´animal imaginaire inszeniert (zu sehen bis zum 13. Oktober). Am 23.September besuchte ich im Kino MK2 am Quai de Loire eine Veranstaltung mit einem Dokumentarfilm und einem Gespräch zwischen Novarina und dem Direktor dieses Theaters, Wajdi Mouawad. Als Übersetzerin bewege ich mich immer in diesem Universum, man könnte sagen Untergrund, der Sprache und des Sprechens, zwischen, unter und jenseits der Sprache, denn ja, es gibt einen Raum des Schweigens, des Unaussprechlichen, zwischen ihnen. Um mit Novarina zu sprechen (oder mit Glissant, Chamoiseau, die ich übersetze), fallen wir zwischen den Worten, die wir sprechen…

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Nach den Ferien in Macronien/La rentrée en Macronie

Paris, 22.09.2019  Seit den aufsehenerregenden Demonstrationen der Gelbwesten im letzten Winter ist es augenfällig, das Fußvolk der französischen Republik ist unzufrieden mit den Leistungen der Regierung unter dem Präsidenten Macron, der wegen des Versprechens von mehr Bürgerbeteiligung die Wahl 2017 mit einem Erdrutschsieg gewann. Denn „die Auswirkungen der Reformen kommen nicht bei den Leuten an, sie bleiben hinter ihren Erwartungen zurück, es geht zu langsam …“, fasste der engste Berater von Macron damals die Lage zusammen. Schon zu Anfang des Jahres hat Premierminister Philippe sein Kabinett hart an die Kandare genommen (Le Monde, 20.9.19.), sie müssten besser dafür sorgen, dass ihre Maßnahmen auch wirklich in den Köpfen der Bürger ankommen. Wie alarmiert die Stimmung ist, kann man daran ablesen, dass…

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