Simone Veil im Pantheon

Paris, 01.07.2018  Heute wird Simone Veil in einer feierlichen Zeremonie in das Pantheon „der großen Männer Frankreichs“ aufgenommen. Sie war es, die einst dafür sorgte, dass Marie Curie als eine der wenigen Frauen vor ihr „pantheonisiert“ wurde, wie es hier heißt, wenn auch erst sechzig Jahre nach deren Tod. Diesmal hat Präsident Macron die Initiative ergriffen, und erstmalig wird ironischerweise ihr Gatte, Monsieur Antoine Veil, mit umgebettet. Die allererste Frau im Pantheon, Sophie Berthelot, folgte dagegen 1907 ihrem Mann Marcellin, einem Chemiker. Zu dem Ereignis wurde in der Wochenendbeilage von Le Monde ein Interview mit der Historikerin Michelle Perrot, einer Spezialistin der Stellung der Frau, abgedruckt, das ich hier in großen Zügen wiedergeben will, denn es zeichnet ein Bild von…

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Banksy in Paris

Paris, 30.06.2018  Es war in allen französischen Zeitungen und man kann die Fotos im Internet sehen: Der Sprayer Banksy war wieder da. Der Brite wurde in den 2000er-Jahren durch seine Street Art bekannt, mit der er sich auf die Seite der Migranten stellt. Seine Kunst „fällt aus dem Rahmen“, er will außerhalb des Marktes bleiben, daher hält er seine Identität geheim und setzt seine Bilder sichtbar für jeden in den öffentlichen Raum. Das erste Bild, das jetzt auftauchte, war ein kleines Mädchen, das ein Hakenkreuz mit einem Ornament in Rosa übermalt. In den Artikeln geistern auch schon Schätzungen herum, wieviel die Tags wert sind, die bei Banksys diesjährigem Besuch entstanden sind, nachdem er die Stadt der Lichter schon mehrfach bereichert…

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Stalingrad

Paris, 29.06.2018  Volgograd ist eine der russischen Städte, in deren neuerbauten Stadien die derzeitige Fußball-WM ausgetragen wird. Dieses Stadion für 45 000 Zuschauer wurde auf den Trümmern einer Schlacht des 2. Weltkriegs erbaut, denn Volgograd hieß einst Stalingrad. Unter Chrustschow kam es zu der Umbenennung, nachdem man begonnen hatte, das totalitäre Regimes Stalins aufzuarbeiten. Stalingrad steht als Symbol für die Niederlage der deutschen Armee und Hitlers. Auch auf der russischen Seite brachte die Schlacht große Verluste. Neben dem Stadion liegt daher eine Gedenkstätte von den Ausmaßen einer Stadt und eine riesige Figur der Patria, die an die amerikanische Freiheitsstatue erinnert, überragt alles auf dem nahen Hügel, der vor gut 70 Jahren gewiss eine wichtige Stellung war. In Le Monde vom…

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Christoph Ransmayr in Frankreich

Paris, 28.06.2018  Am Montagabend wurde Ransmayrs französischer Übersetzer, Bernard Kreiss, in Paris ausgezeichnet. Er erhielt von der Société des Gens de Lettre den Preis für sein übersetzerisches Gesamtwerk. Ich hätte ihn gerne getroffen, aber er hatte aus Krankheitsgründen nicht kommen können. Dafür traf ich seine Lektorinnen. Zufällig wurde auch Ransmayr in Deutschland kürzlich ausgezeichnet, mit dem Würth-Preis für europäische Literatur. Seine Dankesrede wurde am 25. Juni in der FAZ abgedruckt, sie trägt den Titel „Mädchen im gelben Kleid“ und ist eine starke literarische Wortmeldung zu der brandaktuellen Frage der Migranten. Ich zitiere nur einen Satz aus diesem packenden Text, sie können ihn unter „Würth-Preis“ auf Faz.net nachlesen, es lohnt sich: „Vergangenheit? Das sei doch alles längst vergangen? Die Toten sind…

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Im Zug / Dans le train 3

Paris, 26.06.2018  Hinter Straßburg, eine rote Brücke über einen sehr blauen Kanal. Der Streit eines Paars, er sagt recht laut: „Ich muss mich um meine Kinder kümmern …“ Er ist gekommen, als der Zug schon anfuhr. Sie, eine braune elegante Dame Mitte Vierzig, saß davor schon eine Weile auf dem Sitz schräg vor mir. „Immer die Streitigkeiten und Diskussionen …“, fügt er hinzu. Im Zug höre ich einfach bei den Gesprächen zu, ungeniert. Ich hatte mich neben eine blonde junge Frau gesetzt, die mir wegen ihrer Schönheit auffiel, sie war nicht gerade erfreut darüber. Als wir an der roten Brücke vorbeifahren, flüstert sie in ihr Handy, schwankt zwischen Nervosität und Zärtlichkeit. „Den andern Zug hab ich verpasst, jetzt muss ich…

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Die Musikszene im 19. Bezirk: La gare | La musique dans le 19ème (arr.)

Paris, 02.05.2018  Es ist vielleicht die Nähe der neuen Philharmonie von Paris oder des Musikzentrums in La Villette – der 19. Bezirk erlebt das Aufblühen einer Musikszene. Mehrere neue Säle und Cafés sind in letzter Zeit zu den bereits als „groovy“ geltenden Clubs, wie beispielsweise die Bellevilloise, hinzugekommen. „La gare“ wurde 2017 tatsächlich in einem ehemaligen Bahnhof gegründet, im nördlichen Teil des Viertels. „Aufblühend“ finde ich hier nicht ganz passend, vor allem bei dem kalten Regenwetter am Montagabend, als ich hinging. Man steigt eine steile gepflasterte Rampe hinauf zu dem Gebäude, das noch vom Beginn der Industrialisierung zu stammen scheint, während das Gemälde an der Front eher einem Gruselfilm entsprungen ist, obwohl es im Internet so einladend wirkt, eine hübsche…

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Premier mai à Paris

Paris, 01.05.2018  Outre-Rhin, les citoyens ne comprennent rien de l´opposition ardente des travailleurs et des syndicats contre Macron. Le président français a chez les Allemands plutôt la bonne rénommée d´un réformateur qui mettrait enfin la main à la pâte dans un pays qui en aurait grand besoin, comme jadis le chancellier Gerhard Schröder l´avait fait chez eux, tout social-démocrate qu´il était. On oublie en même temps les problèmes que cette politique a créé pour l´Allemand moyen, produisant un grand secteur d´emploi précaire et liquidant les conditions de travail que les syndicats avaient pu acquérir depuis leurs débuts dans ce pays dès 1848 avec les „Associations“. En ce 1 er mai, journée traditionnelle de manifestations ouvrières en Allemagne comme en France,…

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Frühling?

Paris, 13.03.2018  Der Frühling liegt im Himmel, auf dem Wasser der Seine, im berühmten Licht von Paris. Es ist deutlich milder, nur bläst ein Wind von der See her noch recht kühl. Die Touristen lassen um Notre Dame noch auf sich warten, die Schlange ist kurz, es blühen ein paar Rabatten mit Primeln. Vom Bus aus sah ich die ersten Blüten an den Büschen der Parks. C´est un début de printemps, on le voit dans le bleu du ciel, sur l´eau de la Seine et dans la lumière si celèbre de Paris. L´air est clément, sauf qu´un  vent souffle en rafales venant de la mer du Nord … Peu de touristes autour de Notre Dame, pas de file d´attente, il…

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Carnaval, Place de la République

Paris, 13.02.2018  A mon passage, dimanche, au métro République, je sentais une chose étrange, une vibration dans l´air, dans les couloirs souterrains et puis dans mon estomac, avant d´entendre les battements de tambour et en suite quelques fifres entrer par la bouche du métro: c´étaient des bandes brésiliennes qui fêtaient le Carnaval. Sur la place, le son envahissait tout l´espace. Une sensation à vif, à vouloir danser, ou courir, comme dans les vidées du Carnaval aux Antilles. Il y avait trois ou quatre groupes qui battaient à grand effort, de temps en temps les percussions étaient entrecoupées par des chants, des chansons du Carnaval en portugais, et les battements reprenaient. Naturellement, les bandes portaient chacune leur costumes typiques, plutôt simples…

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Le MoMA à Paris | Das MoMA in Paris

Paris, 12.02.2018  C´est une exposition à la Fondation Louis Vuitton, encore jusqu´au 5 mars, qui montre quelques oeuvres emblématiques du grand musée newyorkais. Je l´ai trouvée très intéressante parce qu´elle documente la vision de l´art moderne réalisée dans le MoMA. Les fondateurs avaient une intention pédagogique, il croyaient que le modernisme menait, quasi automatiquement, vers un changement de la société. L´un d´eux, Alfred J. Barr, multipliait dès les années 1920 les petits livres où il explique les sources de l´art moderne, du cubisme et de l´art abstrait. Une des définitions de ce modernisme est la pluridimensionnalité, la pluridisciplinarité qui défait les cases entre les arts et présente la peinture, la sculpture, la photo, le film, le design industriel, l´architecture. C´était…

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