Mutations /Energiewandel

Paris, 28.09.2018  Nicolas Hulot ist im August von seinem Amt als Umweltminister im Kabinett Macron zurückgetreten. Dabei war er der beliebteste Minister,  schon lange bekannt als Kämpfer für die Ökologie. Als Grund gab Hulot seine Enttäuschung nach einer Reihe von nicht realisierten Wahlversprechen an, er sagte, „er wolle sich nicht weiter belügen.“ Yannick Jadot von der französischen Grünen Partei (Europe écologie-Les Verts) meinte, „mit seinem Abschied zieht Nicolas Hulot die Konsequenz daraus, dass die Regierung keine Umweltpolitik hat.“ Ich habe mit meinen französischen Freunden darüber gesprochen, die selbst den Grünen nahestehen. Nach ihrer Meinung ist in Frankreich eine grüne Politik schwer umzusetzen, weil allgemein zu wenig Interesse an ökologischen Fragen besteht. In Deutschland hingegen scheint die Ökologie der (einzige?) politische…

Mehr lesen …

Die Jugendlichen / Les jeunes

Paris, 27.09.2018  Wieder einmal in Le Monde (vom 24.9.) ist ein Artikel über das Mobbing in den Schulen zu lesen, das Phänomen wird in den französischen Medien ebenso aufmerksam beobachtet und kommentiert wie in Deutschland, nachdem es für die Opfer noch schwerer zu ertragen ist, wenn die Erniedrigung nach der Schule auf Instagram weitergeht. Hier nennt man sie die „Populären“, die „angesagten“ Mädchen und Jungen mit den Markenklamotten und haufenweise Freunden in den sozialen Netzwerken, die andere, weniger selbstbewusste und wohlhabende Klassenkameraden von oben herab behandeln und hänseln. Offenbar waren im letzten Schuljahr quergestreifte Matrosenshirts in Mode, bei denen an der Breite der Streifen abzulesen war, ob sie von der „coolen“ Marke agnès b. oder aus dem Kaufhaus Monoprix stammten.…

Mehr lesen …

3ème saison / 3. Staffel

Paris, 25.09.2018  Das wird nun schon die dritte Staffel der Berichte aus Paris (ja, die Staffel einer Serie heißt auf Französisch „saison“). Ich möchte sie in lockerer Folge fortsetzen wie bisher. Meist drehen sie sich um den 19. Stadtbezirk, mit den Menschen und Orten meines Alltags, wie der Supermarkt, der Bus Nr 75. Manchmal bespreche ich auch eine Ausstellung oder ein Konzert. Häufiger aber Themen der französischen Gesellschaft, die „jenseits des Rheins“ interessant sein können – damit meine ich aber beide Seiten! Denn ich möchte vor allem die beiden Ufer einander annähern, und die Sprachen. Tatsächlich war ich heute morgen wieder im Supermarkt. Am Vortag hatte ich eine Glühbirne mit Schraubverschluss für die Toilette gekauft, wo es ganz finster ist.…

Mehr lesen …

Simone Veil im Pantheon

Paris, 01.07.2018  Heute wird Simone Veil in einer feierlichen Zeremonie in das Pantheon „der großen Männer Frankreichs“ aufgenommen. Sie war es, die einst dafür sorgte, dass Marie Curie als eine der wenigen Frauen vor ihr „pantheonisiert“ wurde, wie es hier heißt, wenn auch erst sechzig Jahre nach deren Tod. Diesmal hat Präsident Macron die Initiative ergriffen, und erstmalig wird ironischerweise ihr Gatte, Monsieur Antoine Veil, mit umgebettet. Die allererste Frau im Pantheon, Sophie Berthelot, folgte dagegen 1907 ihrem Mann Marcellin, einem Chemiker. Zu dem Ereignis wurde in der Wochenendbeilage von Le Monde ein Interview mit der Historikerin Michelle Perrot, einer Spezialistin der Stellung der Frau, abgedruckt, das ich hier in großen Zügen wiedergeben will, denn es zeichnet ein Bild von…

Mehr lesen …

Banksy in Paris

Paris, 30.06.2018  Es war in allen französischen Zeitungen und man kann die Fotos im Internet sehen: Der Sprayer Banksy war wieder da. Der Brite wurde in den 2000er-Jahren durch seine Street Art bekannt, mit der er sich auf die Seite der Migranten stellt. Seine Kunst „fällt aus dem Rahmen“, er will außerhalb des Marktes bleiben, daher hält er seine Identität geheim und setzt seine Bilder sichtbar für jeden in den öffentlichen Raum. Das erste Bild, das jetzt auftauchte, war ein kleines Mädchen, das ein Hakenkreuz mit einem Ornament in Rosa übermalt. In den Artikeln geistern auch schon Schätzungen herum, wieviel die Tags wert sind, die bei Banksys diesjährigem Besuch entstanden sind, nachdem er die Stadt der Lichter schon mehrfach bereichert…

Mehr lesen …

Stalingrad

Paris, 29.06.2018  Volgograd ist eine der russischen Städte, in deren neuerbauten Stadien die derzeitige Fußball-WM ausgetragen wird. Dieses Stadion für 45 000 Zuschauer wurde auf den Trümmern einer Schlacht des 2. Weltkriegs erbaut, denn Volgograd hieß einst Stalingrad. Unter Chrustschow kam es zu der Umbenennung, nachdem man begonnen hatte, das totalitäre Regimes Stalins aufzuarbeiten. Stalingrad steht als Symbol für die Niederlage der deutschen Armee und Hitlers. Auch auf der russischen Seite brachte die Schlacht große Verluste. Neben dem Stadion liegt daher eine Gedenkstätte von den Ausmaßen einer Stadt und eine riesige Figur der Patria, die an die amerikanische Freiheitsstatue erinnert, überragt alles auf dem nahen Hügel, der vor gut 70 Jahren gewiss eine wichtige Stellung war. In Le Monde vom…

Mehr lesen …

Christoph Ransmayr in Frankreich

Paris, 28.06.2018  Am Montagabend wurde Ransmayrs französischer Übersetzer, Bernard Kreiss, in Paris ausgezeichnet. Er erhielt von der Société des Gens de Lettre den Preis für sein übersetzerisches Gesamtwerk. Ich hätte ihn gerne getroffen, aber er hatte aus Krankheitsgründen nicht kommen können. Dafür traf ich seine Lektorinnen. Zufällig wurde auch Ransmayr in Deutschland kürzlich ausgezeichnet, mit dem Würth-Preis für europäische Literatur. Seine Dankesrede wurde am 25. Juni in der FAZ abgedruckt, sie trägt den Titel „Mädchen im gelben Kleid“ und ist eine starke literarische Wortmeldung zu der brandaktuellen Frage der Migranten. Ich zitiere nur einen Satz aus diesem packenden Text, sie können ihn unter „Würth-Preis“ auf Faz.net nachlesen, es lohnt sich: „Vergangenheit? Das sei doch alles längst vergangen? Die Toten sind…

Mehr lesen …

Im Zug / Dans le train 3

Paris, 26.06.2018  Hinter Straßburg, eine rote Brücke über einen sehr blauen Kanal. Der Streit eines Paars, er sagt recht laut: „Ich muss mich um meine Kinder kümmern …“ Er ist gekommen, als der Zug schon anfuhr. Sie, eine braune elegante Dame Mitte Vierzig, saß davor schon eine Weile auf dem Sitz schräg vor mir. „Immer die Streitigkeiten und Diskussionen …“, fügt er hinzu. Im Zug höre ich einfach bei den Gesprächen zu, ungeniert. Ich hatte mich neben eine blonde junge Frau gesetzt, die mir wegen ihrer Schönheit auffiel, sie war nicht gerade erfreut darüber. Als wir an der roten Brücke vorbeifahren, flüstert sie in ihr Handy, schwankt zwischen Nervosität und Zärtlichkeit. „Den andern Zug hab ich verpasst, jetzt muss ich…

Mehr lesen …

Die Musikszene im 19. Bezirk: La gare | La musique dans le 19ème (arr.)

Paris, 02.05.2018  Es ist vielleicht die Nähe der neuen Philharmonie von Paris oder des Musikzentrums in La Villette – der 19. Bezirk erlebt das Aufblühen einer Musikszene. Mehrere neue Säle und Cafés sind in letzter Zeit zu den bereits als „groovy“ geltenden Clubs, wie beispielsweise die Bellevilloise, hinzugekommen. „La gare“ wurde 2017 tatsächlich in einem ehemaligen Bahnhof gegründet, im nördlichen Teil des Viertels. „Aufblühend“ finde ich hier nicht ganz passend, vor allem bei dem kalten Regenwetter am Montagabend, als ich hinging. Man steigt eine steile gepflasterte Rampe hinauf zu dem Gebäude, das noch vom Beginn der Industrialisierung zu stammen scheint, während das Gemälde an der Front eher einem Gruselfilm entsprungen ist, obwohl es im Internet so einladend wirkt, eine hübsche…

Mehr lesen …

Premier mai à Paris

Paris, 01.05.2018  Outre-Rhin, les citoyens ne comprennent rien de l´opposition ardente des travailleurs et des syndicats contre Macron. Le président français a chez les Allemands plutôt la bonne rénommée d´un réformateur qui mettrait enfin la main à la pâte dans un pays qui en aurait grand besoin, comme jadis le chancellier Gerhard Schröder l´avait fait chez eux, tout social-démocrate qu´il était. On oublie en même temps les problèmes que cette politique a créé pour l´Allemand moyen, produisant un grand secteur d´emploi précaire et liquidant les conditions de travail que les syndicats avaient pu acquérir depuis leurs débuts dans ce pays dès 1848 avec les „Associations“. En ce 1 er mai, journée traditionnelle de manifestations ouvrières en Allemagne comme en France,…

Mehr lesen …